Auf Sendung mit Mutter Erde

Wenn ich meine Aufmerksamkeit entweder auf einen Menschen oder eine Situation richte, dann meine Augen schließe und mich in vollkommener Hingabe in mein Inneres hineinfallen lasse, empfange ich ein Bild, das sich binnen Sekunden zu einem Film in Bewegung setzt, dem ich hoch aufmerksam fühlend folge und ihn gleichzeitig ausspreche. Der Verlauf des Filmes beantwortet dann die eingangs gestellte Frage, meist indem er zuerst den bisher ungesehenen Hintergrund der Gegenwart darstellt, wie sie nun mal ist, und nach einem "switch" den nächstmöglichen Schritt zur Lösung aufzeigt.
Zwischen Gegenwart und Zukunft aber liegt ein "Loch", ein "Nichts", ein Quantenmoment, ein magischer Augenblick, der sich im Film auf eine ganz bestimmte Weise äußert und auf eine ebenso bestimmte Weise bewusst durchlebt werden muss. Dieser Moment ist die Brücke zwischen heute und morgen.
Für mich spielt es weder eine Rolle, ob ich den betreffenden Menschen überhaupt kenne oder die Situation selbst erlebt habe, noch ob die damit verbundene Frage persönlicher oder kollektiver Natur ist. Das Bauchhirn antwortet zuverlässig und exakt.
Es stellt allerdings eine Bedingung: Um "andocken" zu können, braucht es ein lebendiges energetisches Feld, einen natürlichen Organismus, der früher gelebt hat, heute lebt oder künftig leben wird. Eine Sachfrage, wie: "Schildere mir bitte, wie die astrologische Konstellation Merkur-Neptun archetypisch aussieht", funktioniert also beispielsweise nicht.

Bauchhirn, wer bist Du?

Die anatomische Existenz des Bauchhirns entdeckte der amerikanische Neurobiologe Michael Gershorn. 1998 publizierte er in seinem Buch Der kluge Bauch – Die Entdeckung des zweiten Gehirns seine Erkenntnisse über ein selbständig funktionierendes Nervensystem im den Darmwänden unseres Bauches, das über weit mehr Nervenzellen verfügt als unser Kopfgehirn.
Schon dies legt nahe, dass "aus dem Bauch" getroffene Entscheidungen keiner Vernunftstrübung im Gefühlsüberschwang zugrunde liegen, sondern einer "tiefer sitzenden" gleichwohl hohen Intelligenz. Allein daraus lässt sich der Schluss ziehen: Wohl dem, der auf sein zweites Gehirn im Bauch hören kann!
Neben seinem physiologischen Aspekt hat das Bauchhirn allerdings auch einen feinstofflichen Aspekt:
Die Spur seiner wissenschaftlichen und ganz praktischen Erforschung lässt sich zurückverfolgen über seine großen Pioniere, den Schweizer Heiler Remo F. Roth (*1943), die norwegische Körpertherapeutin Gerda Boyesen (1922-2005), Carl Gustav Jung (1875-1961) und die mittelalterlichen Alchemisten, wahrscheinlich bis auf die ägyptische Hochkultur in vorchristlicher Zeit.
Diese körpereigene Intelligenz ist ein Ort der kosmischen Vernetzung in uns. Sie hat eine Antenne zu einem riesigen Informations-Pool in einer anderen Dimension. Wenn wir uns auf die Frequenz des Bauchhirns einstellen, vernetzt es uns mit dieser Dimension, die Rudolf Steiner als Akasha-Chronik, Carl Gustav Jung als Kollektives Unbewusstes und die Esoteriker als das weltumspannende Christusgitternetz bezeichnen würden.

Die ideale Partnerin für ihn

Neben dem Kopf- und dem Herzgehirn, stellt das Bauchhirn – bei Männern, wie bei Frauen – das weibliche Bewusstseinszentrum unseres Körpers dar. Das Bauchhirn spricht die Stimme von Mutter Erde, also die Stimme unserer archetypisch weiblichen Intuition und Kreativität.
Diese Stimme will gehört werden, besonders dann, wenn das Denken nicht weiterführt und wir über unsere bisherigen Konzepte hinausgehen müssen, um eine intelligente Lösung für ein Problem zu finden. Diese Stimme offenbart uns unser unbewusstes und vorbewusstes Wissen, vor allem die von unserem Bewusstsein bislang ungesehenen Hintergründe eines Geschehens!
Der denkende Kopf als der archetypisch männliche Teil oben und der intuitive Bauch als der archetypisch weibliche Teil unten sind beide verbunden durch das fühlende Herz als dem archetypisch kindlichen Teil in der Mitte. So bestimmt die Qualität des Herzens die Qualität des Zusammenspiels von Kopf und Bauch. Das ist so in Jedem von uns!

Die Weisheit der symbolischen Bildersprache

Das Bauchhirn spricht in einer symbolischen Bildersprache, die den Bildern unserer Traumwelt ähnelt. Obwohl die Traumbilder mit den Bauchhirnbildern oft synchronistisch Hand in Hand gehen, bietet das Bauchhirn den Vorteil, dass wir es bewusst kontaktieren können und nicht warten müssen, bis sich uns die Sprache des Unbewussten im Schlaf offenbart.
Schon Carl Gustav Jung betonte die Wichtigkeit einer "neutralen Sprache" als eigentliches Ziel einer einheitlichen Wissenschaft. Er löste seine eigenen Bilderrätsel, die seine Aktiven Imaginationen ihm aufgaben, indem er deren Symbole mithilfe seines immensen Wissens über archetypische Symbole aller Weltkulturen entschlüsselte.
Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass der Schlüssel für die Deutung dieser "neutralen Sprache" die Gefühlsprache des Herzens ist. Diese Gefühlssprache ist universal gültig und auf der ganzen Welt verständlich. Man erreicht sie durch größtmögliche Einfühlung in die Figuren und Abläufe des inneren Films.

Achtung, Achtung, hier spricht Natur pur

Wenn das Bauchhirn spricht, darf man sich nicht erschrecken, denn manchmal sendet es in Bildern, die dem Codex unserer scheinheiligen christlich-abendländischen Zeigefingermoral peinlichst gegen den Strich gehen.
Die Carl-Gustav-Jung-Mitarbeiterin Marie-Louise von Franz drückte es einmal so aus: „Das Unbewusste und seine Figuren sprechen oft eine […] infantil-schwüle Sprache, die einen sehr schockiert. Man muss sich aber einfach damit abfinden; schließlich ist es […] Natur […].“
Genau das aber ist typisch Bauchhirn. Ja, diese Tabubrüche zeichnen das Bauchhirn geradezu aus, denn schließlich hat es seinen Sitz im Bereich "unter der Gürtellinie", wo unsere essentiellen Vitalbereiche der Sexualität und Verdauung angesiedelt sind.
Was dabei herauskommt, wenn man diesen Urgrund in sich verdrängt, zeigt die riesige Industrie der Käseblättchen und der Pornographie – und dann ist man wirklich unter der Gürtellinie gelandet!
Solche Bauchhirn-Bilder findet der Kopf eventuell abstoßend, weil er sie nicht einordnen kann. Wer sie aber zulässt, hat den Schlüssel zu einer wesentlichen Information: Sie beschreiben,   w  i  e   die Energie unseres gegenwärtigen Handelns fließt und   w  i  e   wir unseren Prozess durchschreiten – und daraus lassen sich ganz bewusst Schlüsse ziehen, so dass wir eine Kurskorrektur vornehmen können.
Indem ich diese Bilder in mir und bei meinen Klienten zulasse, zeige ich, wie wichtig es mir ist, dass wir begreifen, dass wir Menschen in der Natur und nicht über der Natur stehen. Daraus ergäbe sich die Lösung all unserer Probleme wie von selbst.
Ich setze mich dafür ein, dass unsere kopfdominante Gesellschaft, die sich in Krieg, Missbrauch und ökologische Desaster hineinkatapultiert hat, ein neues Verhältnis zur Intelligenz der Natur im eigenen Körper, bzw. zum Bauchhirn bekommt.